Hagelschaden an Photovoltaik-Anlagen
Ein Hagelschaden an einer Photovoltaik-Anlage reicht von sichtbaren Glasbrüchen bis zu unsichtbaren Mikrorissen in den Zellen, die den Ertrag mindern und langfristig zu Ausfällen führen. Module werden nach Norm mit 25-Millimeter-Eiskugeln getestet; grössere Körner können sie durchschlagen. Fest installierte Anlagen sind über die Gebäudeversicherung gegen Elementarschäden gedeckt. Nach einem Hagelzug gehören eine Sichtkontrolle und eine Leistungsmessung durch den Solarteur dazu – auf einem Dachfanggerüst, nie in Eigenregie.

Wie Hagel Solarmodule beschädigt
Die Prüfnorm für Module (IEC 61215) simuliert Hagelkörner mit 25 Millimetern Durchmesser bei rund 23 Metern pro Sekunde. Körner dieser Grösse überstehen intakte Module meist unbeschadet. Ab 3 bis 4 Zentimetern steigt das Risiko deutlich, ab 5 Zentimetern sind Glasbrüche wahrscheinlich. Sichtbar sind Sternbrüche im Frontglas und Dellen in Rahmen und Montagesystem; unsichtbar bleiben Mikrorisse in den Siliziumzellen, die nur mit Elektrolumineszenz- oder Thermografie-Aufnahmen und im Ertragsvergleich erkennbar sind.
Ein gebrochenes Glas ist mehr als ein Ertragsproblem: Feuchtigkeit dringt ein, Isolationswiderstände sinken, und der Wechselrichter schaltet den String ab – oder es entstehen Lichtbögen. Beschädigte Module dürfen deshalb nicht einfach weiterlaufen.
Prüfung und Versicherung
Erste Massnahme nach dem Hagel: Ertragsdaten im Monitoring prüfen – ein plötzlicher Abfall einzelner Strings ist ein klares Signal. Dann der Solarteur: Sichtkontrolle jedes Moduls, Messung von Isolationswiderstand und Kennlinien, bei Verdacht Elektrolumineszenz. Die Dokumentation geht mit der Schadenmeldung an die Gebäudeversicherung, die fest installierte Anlagen als Gebäudebestandteil deckt. Wer eine separate Photovoltaik-Versicherung hat, meldet zusätzlich dort; Ertragsausfall ist nur mit entsprechender Zusatzdeckung versichert.
Für neue Anlagen in Hagelregionen lohnt sich der Blick ins VKF-Hagelregister: Dort sind Module mit geprüftem Hagelwiderstand gelistet, empfohlen ist meist Klasse HW3 oder höher.
Prüfung und Modultausch brauchen ein Gerüst
Auf dem Steildach ab 3 Metern Absturzhöhe verlangt die Bauarbeitenverordnung für jede Arbeit eine Absturzsicherung – auch für die Prüfung. Das Dachfanggerüst entlang der Traufe sichert den Solarteur und dient als Ablage für die neuen Module; auf dem Flachdach genügt meist ein Seitenschutz entlang der Dachränder. Wird gleichzeitig das Dach repariert, teilen sich Dachdecker und Solarteur das Gerüst – die wirtschaftlichste Lösung nach einem Hagelzug.
Praxisbeispiel: Nach einem Hagelzug meldet das Monitoring an einem Einfamilienhaus in Cham einen Ertragsabfall von 30 Prozent auf einem String. Auf dem von uns gestellten Dachfanggerüst findet der Solarteur drei Module mit Glasbruch und zwei mit Mikrorissen (Elektrolumineszenz). Die fünf Module werden getauscht, die Gebäudeversicherung übernimmt Module, Montage und Gerüst; die Fanglage diente als Ablage für die Ersatzmodule.
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