Dachkontrolle nach Unwetter
Die Dachkontrolle nach einem Unwetter ist die fachliche Prüfung von Eindeckung, Unterdach, Spenglerarbeiten, Dachfenstern und Aufbauten durch Dachdecker oder Spengler. Sie deckt Schäden auf, die vom Boden aus nicht sichtbar sind – Haarrisse in Ziegeln, gelöste Bleche, beschädigte Anschlüsse – und liefert die Grundlage für Schadenmeldung und Reparaturofferte. Ab 3 Metern Absturzhöhe braucht auch die Kontrolle eine Absturzsicherung; das dafür gestellte Gerüst bleibt für die Reparatur stehen.

Warum vom Boden aus nichts entschieden werden kann
Hagel hinterlässt an Tonziegeln oft nur Haarrisse, die erst bei Frost aufbrechen; an Betonziegeln splittern Kanten, die vom Boden wie Schmutz wirken. Blechfalze lösen sich um Millimeter, Dachfenster-Dichtungen reissen unsichtbar, und die Unterdachbahn kann durchschlagen sein, obwohl die Ziegel darüber intakt scheinen. Ein Drohnenflug hilft bei der Übersicht, ersetzt aber die Kontrolle von Hand nicht: Der Dachdecker klopft Ziegel ab, prüft Anschlüsse und schaut unter die Eindeckung.
Nach einem Sturm gilt die Aufmerksamkeit den Randbereichen: Ortgang, First, Traufe, Kamin- und Lukarnenanschlüsse. Dort hebt der Wind zuerst ab, und dort beginnen die Lecks.
Ablauf und Absturzsicherung
Die Kontrolle beginnt aussen – Sichtprüfung, Fotodokumentation, Markieren der Schadstellen – und endet innen im Dachraum, wo Wasserspuren, nasse Dämmung und Tageslicht durch die Eindeckung verraten, was aussen übersehen wurde. Für Arbeiten auf dem Dach ab 3 Metern Absturzhöhe schreibt die Bauarbeitenverordnung eine Absturzsicherung vor. Bei einer reinen Kontrolle kann das je nach Dach ein Anseilschutz an einem geprüften Anschlagpunkt sein; sobald repariert wird, braucht es beim Steildach das Dachfanggerüst.
Praktisch heisst das: Wer nach dem Unwetter ohnehin reparieren muss, stellt das Gerüst gleich für die Kontrolle – dann sind Prüfung, Notabdeckung und Reparatur auf derselben Konstruktion möglich.
Nutzen für die Versicherung
Das Protokoll der Dachkontrolle ist die Basis der Schadenmeldung: Es belegt Art und Umfang der Schäden zum Zeitpunkt kurz nach dem Ereignis und grenzt sie von Unterhaltsmängeln ab. Für Verwaltungen mit mehreren Liegenschaften empfiehlt sich nach grossen Hagelzügen eine systematische Kontrolle aller Objekte – auch dort, wo noch kein Wasserfleck gemeldet wurde.
Praxisbeispiel: Nach einem Hagelzug sieht ein Eigentümer in Steinhausen vom Garten aus nur zwei gebrochene Ziegel. Der Dachdecker findet bei der Kontrolle auf dem Dachfanggerüst 80 Ziegel mit Haarrissen, eine durchschlagene Unterdachbahn und einen gelösten Kaminanschluss. Das Protokoll mit Fotos geht an die Gebäudeversicherung; die Reparatur folgt zwei Wochen später auf demselben Gerüst.
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Dachfanggerüst
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Begriff lesenBauarbeitenverordnung (BauAV)
Die Bauarbeitenverordnung (BauAV, SR 832.311.141) ist die zentrale Schweizer Vorschrift für Sicherheit und Gesundheitsschutz auf Baustellen.
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