Notabdeckung (Dach)
Eine Notabdeckung ist die provisorische Abdichtung beschädigter Dachflächen, Dachfenster oder Lichtkuppeln mit Planen, Folien oder Platten, bis die definitive Reparatur erfolgt. Sie ist die einfachste und schnellste Sofortmassnahme nach Hagel oder Sturm und erfüllt die Schadenminderungspflicht gegenüber der Versicherung. Für grössere offene Flächen oder längere Standzeiten braucht es statt der Plane ein Notdach auf Gerüstkonstruktion. Beides setzt ab 3 Metern Absturzhöhe eine Absturzsicherung voraus.

Plane, Folie oder Notdach?
Für einzelne Schadstellen – ein zerschlagenes Dachfenster, ein Feld gebrochener Ziegel, eine Lichtkuppel – genügt eine gewebeverstärkte Plane, sturmsicher mit Latten und Gewichten befestigt und so verlegt, dass Wasser über die Plane nach unten abläuft, nicht darunter. Grossflächig offene Dächer, abgedeckte Dachhälften oder Flächen, die wochenlang offen bleiben, brauchen ein Notdach: eine leichte Dachkonstruktion auf dem Gerüst, die Wind- und Schneelast aufnimmt und unter der die Sanierung trocken ablaufen kann.
Die häufigsten Fehler bei Eigen-Abdeckungen: Planen nur mit Steinen beschwert (der nächste Wind nimmt sie mit), Planen unter statt über den Ziegelrand gelegt (Wasser läuft dahinter), Nägel durch intakte Ziegel (neue Lecks). Fachgerecht abgedeckt heisst: befestigt an Latten oder Gerüst, mit Gefälle, mit Überlappung.
Warum die Notabdeckung ein Gerüst braucht
Auch die provisorische Abdeckung ist eine Arbeit auf dem Dach – und damit gilt die Bauarbeitenverordnung: Ab 3 Metern Absturzhöhe braucht es eine kollektive Absturzsicherung. Beim Steildach ist das ein Dachfanggerüst entlang der Traufe, beim Flachdach ein Seitenschutz oder ein Rollgerüst mit Geländer. Das ist keine Formalie: Nasse Ziegel und Sturmböen machen das Dach nach einem Unwetter besonders gefährlich.
Der Vorteil: Das Gerüst, das für die Notabdeckung gestellt wird, bleibt für die Reparatur stehen. Dachdecker, Spengler und Solarteur arbeiten später auf derselben Konstruktion – ein Aufbau, eine Position im Versicherungsdossier.
Kosten und Versicherung
Die Notabdeckung selbst ist günstig – Material und ein paar Stunden Arbeit. Den grösseren Anteil macht das Gerüst aus: Ein Dachfanggerüst ums Einfamilienhaus liegt als Richtwert bei CHF 2'000–4'000, ein Teilgerüst an der betroffenen Seite entsprechend weniger. Als Sofortmassnahme zur Schadenminderung übernimmt die Gebäudeversicherung diese Kosten in der Regel; wichtig ist die Dokumentation mit Fotos und eine Offerte, die die Notmassnahme separat ausweist.
Praxisbeispiel: Hagel durchschlägt an einem Einfamilienhaus in Hünenberg zwei Dachfenster und ein Feld Ziegel über dem Kinderzimmer. Wir stellen am Nachmittag ein Dachfanggerüst an der betroffenen Traufe; der Dachdecker deckt Fenster und Ziegelfeld mit Planen ab, befestigt an Latten und mit Gefälle. Der angekündigte Regen bleibt draussen, die neuen Fenster kommen drei Wochen später – auf demselben Gerüst.
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