Notgerüst (Notfall-Gerüst)
Ein Notgerüst ist ein kurzfristig gestelltes Arbeits- und Schutzgerüst, das nach einem Schadenereignis – Hagel, Sturm, Wassereinbruch, Brand – den sicheren Zugang zum beschädigten Gebäudeteil schafft und Sofortmassnahmen wie Notdach oder Abdeckung trägt. Es unterliegt denselben Sicherheitsanforderungen wie jedes andere Gerüst (BauAV, SN EN 12811), wird aber nach Dringlichkeit statt nach Bauprogramm geplant. Seine Kosten gehören bei Elementarschäden in der Regel zu den versicherten Schadenminderungskosten.

Wann kommt ein Notgerüst zum Einsatz?
Typische Auslöser sind Elementarereignisse: Hagelzüge, die Ziegel, Dachfenster und Solarmodule zerschlagen; Stürme, die Dächer abdecken oder Bleche lösen; Wasser- und Brandschäden, die Dach oder Fassade instabil machen. Gemeinsam ist allen Fällen die Dringlichkeit – das Gebäude muss vor dem nächsten Regen dicht und für die Handwerker sicher zugänglich sein.
Das Notgerüst ist meist ein Dachfanggerüst entlang der beschädigten Traufe oder ein Teilgerüst am betroffenen Fassadenabschnitt. Es trägt die Notdach- oder Abdeckungskonstruktion und bleibt anschliessend als reguläres Sanierungsgerüst stehen – ein Aufbau für Sofortsicherung und Reparatur.
Notgerüst, Notdach, Abdeckung – die Begriffe
Das Notgerüst ist die tragende Konstruktion und der sichere Arbeitsplatz. Das Notdach (Wetterschutzdach) ist die temporäre Überdachung einer offenen Dachfläche. Die Abdeckung ist die einfachste Form: Planen oder Folien, fachgerecht befestigt, über einzelnen beschädigten Stellen. Welche Kombination sinnvoll ist, hängt vom Schadenbild ab – ein zerschlagenes Dachfenster braucht anderes als eine halb abgedeckte Dachhälfte.
Auch im Notfall gilt die Bauarbeitenverordnung ohne Ausnahme: Ab 3 Metern Absturzhöhe braucht jede Dacharbeit eine kollektive Absturzsicherung. Ein Dachdecker darf ohne Dachfanggerüst nicht mit der Umdeckung beginnen – und die SUVA kontrolliert nach Unwettern verstärkt.
Kosten und Versicherung
Preislich unterscheidet sich das Notgerüst kaum vom regulären Gerüst gleicher Grösse: Ein Dachfanggerüst rund um ein Einfamilienhaus liegt als Richtwert bei CHF 2'000–4'000, ein Notdach wird nach abzudeckender Fläche offeriert. Was dazukommt, ist die Priorisierung – bei akuter Wassergefahr rückt das Team vor geplante Aufträge aus.
Hagel und Sturm sind Elementarschäden und in der Schweiz über die Gebäudeversicherung gedeckt. Weil Eigentümer zur Schadenminderung verpflichtet sind, zählen Notgerüst, Notdach und Abdeckung in der Regel zu den versicherten Kosten. Entscheidend ist eine Offerte, die die Notmassnahme klar ausweist, damit der Schadenexperte sie dem Ereignis zuordnen kann.
Praxisbeispiel: Nach einem Hagelzug im August meldet eine Verwaltung drei Mehrfamilienhäuser in derselben Gemeinde – bei zweien sind Dachfenster zerschlagen, beim dritten ist eine Dachhälfte offen. Wir sichern zuerst das offene Dach mit Notdach und Dachfanggerüst, am Folgetag die beiden anderen Objekte in einer Montage-Tour. Der Dachdecker findet abgenommene Gerüste mit Gerüstausweis vor; die drei Offerten gehen als ein Dossier an die kantonale Gebäudeversicherung.
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